Schon seit einigen Jahren arbeitet die in Sydney geborene Fotografin und Autorin Karin Nedela
an Serien imaginärer Photoportraits interessanter und bedeutender Frauengestalten aus der
Geschichte, Mythologie und Dichtung. Im Grunde werden bei der Ausstellung im t-raum zwei Serien
miteinander verbunden. Zu „Like a Dog Walking on Its Hind Legs“ – Autorinnen von 1000 -1800 kommen
etwa sieben neue Portraits
hinzu, die alle in diesem Jahr entstanden sind. Neu sind z.B. die auf der Guillotine
hingerichtete Frauenrechtlerin Olympe de Gouges und ihre englische Zeitgenossin Mary
Wollstonecraft, die Renaissance Dichterinnen Louise Labbe und Marguerite de Angouleme und Mary
Sidney Herbert, Countess of Pembroke, eine mögliche Anwärterin auf den ‚wahren Shakespeare’.
Die Künstlerin beschreibt die Arbeit an diesen Bildern als sehr aufwändig : „zuerst wird die
historische Figur entdeckt, oder besser gesagt, sie entdeckt mich. Darauf folgt umfangreiche
Recherche über Charakter, Werk und Aussehen. Das Modell wird meiner Interpretation gemäß gewählt.
Mit meist selbst hergestellten Kostümteilen und anderen Requisiten wird eine entsprechende
zeitliche Anmutung erzeugt. Die Bildgestaltung bezieht sich auf zeitgenössische Darstellungen,
jedoch werden keine tatsächlichen Gemälde nachgestellt. Vielmehr versuche ich, die künstlerische
Ausdrucksweise und Mittel der jeweiligen Zeit nachzuempfinden: die steife Haltung mittelalterlicher
Herrscher- und Heiligenbilder, die Wirklichkeitsnähe der Renaissance bis hin zum Malerischen des
Barock.“
Wie auf zeitgenössischen Gemälden sind die Photographien voller Anspielungen auf Geschichte
und Charakter der Abgebildeten. Manche Hinweise sind bewusst sehr offensichtlich, andere sind
schwerer zu deuten, geben Rätsel auf oder bleiben ein Geheimnis. Ergänzt werden die
Bilder durch kurze Notizen zu Biographie und Werk. Die Photographien sind nicht digital
hergestellt, sondern klassisch auf Film aufgenommen, entwickelt, auf Barytpapier vergrößert,
getont und koloriert.
Gezeigt wurden Karin Nedelas Porträtarbeiten u.a. in Offenbach im Haus der Stadtgeschichte und
dem Deutschen Ledermuseum, im Frauenmuseum Wiesbaden, dem Kunstraum Bahnhof Mainkur /Frankfurt und
der Galerie am Storkower Bogen /Berlin.
Eine Ausstellung
‚work-in-progress’, die Einblicke in die Arbeitsweise der Künstlerin gewährt.
Zu sehen ist die Ausstellung während des Rundganges der Kunstansichten 2009 am Samstag, 19.
September von 14.00-22.00 Uhr, Sonntag, 20.09. von 12.00-20.00 Uhr sowie zu allen Veranstaltungen
des t-raum und nach Vereinbarung.
(eintritt frei)
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